EU-Kompromiss für 2035: Grüner Stahl könnte Verbrenner retten
21.10.2026, Foto: © Gebrauchtwagenberater.de
Das geplante Ende neuer Verbrenner könnte weniger streng ausfallen. Unterhändler dreier großer EU-Fraktionen haben sich auf gelockerte CO2-Vorgaben ab 2035 verständigt. Beschlossen ist die Änderung aber noch nicht.
Das sogenannte Verbrenner-Aus könnte deutlich aufgeweicht werden. Unterhändler der drei großen Fraktionen EVP, S&D und Renew Europe haben sich auf einen Kompromiss für die europäischen CO2-Vorgaben ab 2035 verständigt. Damit könnten neue Autos mit Verbrennungsmotor grundsätzlich auch nach 2035 noch zugelassen werden.
Nach dem Entwurf sollen die durchschnittlichen CO2-Emissionen neuer Pkw im Jahr 2035 um 87,5 Prozent gegenüber 2021 sinken. Weitere 7,5 Prozentpunkte könnten die Hersteller durch die Verwendung von CO2-arm produziertem Stahl aus der EU ausgleichen.
Der bisherige Rechtsrahmen sieht ab 2035 eine Verringerung der Emissionen um 100 Prozent vor. Diese Vorgabe läuft faktisch darauf hinaus, dass neue Benziner und Diesel ohne besondere Ausnahmen nicht mehr zugelassen werden können. Mit dem nun vereinbarten Kompromiss bliebe den Herstellern dagegen ein kleinerer CO2-Spielraum erhalten.
Noch ist nichts beschlossen
Autofahrer sollten die Einigung allerdings nicht mit einem fertigen EU-Gesetz verwechseln. Zunächst müssen die beteiligten Fraktionen dem ausgehandelten Text zustimmen. Erst danach könnte daraus die offizielle Position des Europäischen Parlaments werden.
Anschließend müssten sich das Parlament und die EU-Mitgliedstaaten auf gemeinsame Vorgaben verständigen. Bis die endgültigen Regeln feststehen, sind daher noch mehrere politische und gesetzgeberische Schritte nötig.
Die Einigung der Unterhändler zeigt dennoch, in welche Richtung sich die Debatte bewegt: Ein vollständiges Aus für neue Verbrenner ab 2035 wird zunehmend unwahrscheinlicher. Das bedeutet aber nicht, dass Benziner und Diesel danach wieder eine ähnlich große Rolle wie heute spielen können. Die Flottenemissionen müssten weiterhin drastisch sinken.
Grüner Stahl soll angerechnet werden
Ein zentraler Bestandteil des Kompromisses ist die Verwendung von CO2-arm produziertem Stahl aus der Europäischen Union. Hersteller, die solchen Stahl in ihren Fahrzeugen einsetzen, könnten dadurch zusätzliche 7,5 Prozentpunkte auf das Reduktionsziel anrechnen lassen.
Die Regelung würde damit nicht nur die Emissionen während des Fahrbetriebs berücksichtigen. Auch ein Teil der CO2-Belastung aus der Fahrzeugproduktion flösse indirekt in die Bewertung ein.
Auch Hybridmodelle könnten bleiben
Ein Reduktionsziel unterhalb von 100 Prozent würde den Autoherstellern grundsätzlich erlauben, auch nach 2035 noch einzelne Modelle mit Verbrennungsmotor anzubieten. Neben klassischen Benzinern wären vor allem Hybrid- und Plug-in-Hybridmodelle denkbar.
Wie groß deren tatsächlicher Marktanteil sein könnte, lässt sich aus dem politischen Kompromiss noch nicht ableiten. Die Hersteller müssten mit ihrem gesamten Neuwagenangebot weiterhin sehr niedrige durchschnittliche CO2-Werte erreichen. Elektroautos dürften deshalb auch bei gelockerten Vorgaben eine zentrale Rolle spielen.
Nach dem Entwurf könnten zudem Fahrzeuge, die ausschließlich mit erneuerbaren Kraftstoffen betrieben werden, als emissionsfreie Autos anerkannt werden. Auch besonders effiziente und erschwingliche Elektroautos sollen den Herstellern offenbar zusätzliche Vorteile bei der Berechnung der Flottenziele verschaffen können.
Gelockerte Vorgaben auch für Transporter
Nicht nur bei Pkw könnten sich die Ziele ändern. Für neue leichte Nutzfahrzeuge sieht der Kompromiss im Jahr 2035 eine Senkung der durchschnittlichen CO2₂-Emissionen um 80 Prozent gegenüber 2021 vor.
Für 2030 soll es bei Pkw grundsätzlich bei einer Verringerung um 55 Prozent bleiben. Bei Transportern ist ein Ziel von 35 Prozent vorgesehen. Die Hersteller könnten die Vorgaben für 2030 über einen Durchschnitt der Jahre 2029 bis 2031 erfüllen und hätten damit mehr zeitlichen Spielraum.
Quellen: Reuters, Autoscout24







