Kühlwasser-Trick: So drücken Betrüger den Kaufpreis
10.8.2026, Bild: © Gebrauchtwagenberater.de
Wer seinen Wagen privat verkauft, sollte derzeit besonders wachsam sein. Die Polizei warnt vor einer Betrugsmasche, bei der Kaufinteressenten einen angeblichen Motorschaden vortäuschen, um den Preis drastisch zu drücken. Das zentrale Beweisstück: Ein mit Öl verschmierter Finger, der zuvor präpariert wurde. Ein Fall aus Leipzig zeigt, wie dreist die Täter dabei vorgehen.
Der Fall aus Leipzig: Aus 1.600-Euro-Gebot werden 500 Euro
Der 72-jährige Hans-Dieter Schulz aus Leipzig wollte seinen VW Passat, Baujahr 2008, über eine Online-Plattform verkaufen. Sein Preis: 1.300 Euro. Fast 40 Interessenten meldeten sich, ein Angebot lag sogar 300 Euro über der Forderung. Dass ausgerechnet dieser Käufer mehr zahlen wollte, machte Schulz zunächst froh, denn er verkaufte das Auto in einer gesundheitlichen Notlage.
Beim Treffen auf einem Parkplatz erschien der Interessent gleich mit mehreren Begleitern und begann sofort, den Wagen gründlich zu inspizieren. Schulz blieb gelassen, schließlich hatte sein Auto frischen TÜV. Dann jedoch nahm sich einer der Männer den Ausgleichsbehälter des Kühlwassers vor. Vermutlich steckte er dort einen zuvor präparierten Finger hinein und zog ihn mit Ölspuren wieder heraus. Die Behauptung: Die Zylinderkopfdichtung sei defekt.
Wegen seiner bevorstehenden Operation und unter dem Druck der Gruppe gab der Herr schließlich nach und akzeptierte einen Preis von nur noch 500 Euro.
So funktioniert die Masche
Nach Angaben der Polizei ist der Ablauf immer ähnlich. Die Täter treten meist in einer Gruppe von drei bis vier Personen auf, was allein schon einschüchternd wirkt. Der Finger wird vorab mit Motoröl präpariert und im Gespräch zunächst versteckt gehalten. Nach einem Ablenkungsmanöver wird er dann scheinbar aus dem Ausgleichsbehälter gezogen und als vermeintlicher Beweis für einen Motorschaden präsentiert.
Anschließend setzen die Betrüger den Verkäufer massiv unter Druck: Gekauft werde nur heute, und es sei die letzte Chance, das „Fahrzeug mit dem Motorschaden“ überhaupt noch loszuwerden. Nach Darstellung von TAG24 nutzen die Täter teilweise sogar eine übergestülpte Gummifingerkuppe, um den Trick möglichst unauffällig auszuführen.
Kein Einzelfall: Ähnliche Taten in ganz Deutschland
Der Fall aus Leipzig ist längst kein Einzelfall, denn die Masche wird bundesweit abgezogen. Im April 2026 berichtete der Bayerische Rundfunk über einen nahezu identischen Fall in Regensburg: Dort wurde die Tat sogar von einer Überwachungskamera gefilmt, was das Vorgehen der Täter dokumentierte.
Auch in Dessau-Roßlau wurde ein solcher Betrugsversuch bekannt. Dort kippte eine Kaufinteressentin heimlich Öl in den Motorraum, um einen Defekt vorzutäuschen. In diesem Fall flog die Masche jedoch rechtzeitig auf. Verbraucherschützer und Polizei beobachten insgesamt eine steigende Zahl von Betrugsversuchen rund um den privaten Autohandel.
Der zweite Schaden: Knöllchen für den Verkäufer
Für Hans-Dieter Schulz blieb es nicht beim gedrückten Kaufpreis. Der Kaufvertrag wurde vor Ort ausgefüllt, doch der Käufer hatte eine falsche Adresse angegeben und das Fahrzeug anschließend nicht umgemeldet. In der Folge erhielt Schulz immer wieder Bußgeldbescheide für Park- und Geschwindigkeitsverstöße, insgesamt zwischen 500 und 600 Euro. Da er sich keinen Ausweis hatte zeigen lassen, war der Täter kaum zu ermitteln. Die Ermittlungen gegen Schulz wegen der Knöllchen wurden immerhin eingestellt.
Vor Betrug schützen
Um nicht selbst zum Opfer zu werden, hilft es, ein paar einfache Grundregeln zu beachten:
- Fahrzeug vor der Übergabe abmelden: Die Polizei rät ausdrücklich, ein Auto niemals angemeldet zu verkaufen
- Verkauf der Zulassungsbehörde melden: Wer doch ein angemeldetes Fahrzeug verkauft, sollte den Verkauf im Nachgang der Behörde melden und den Kaufvertrag mitschicken
- Ausweis zeigen lassen: Unbedingt die Personalien des Käufers notieren und den Ausweis zeigen lassen, um die Angaben im Kaufvertrag zu überprüfen
- Kein Druck: Bloß nicht zu einer sofortigen Entscheidung drängen lassen. Bei plötzlich „entdeckten“ Mängeln lohnt sich eine unabhängige Prüfung in einer Werkstatt
- Zeugen hinzuziehen: Den Besichtigungstermin an einem öffentlichen Ort vereinbaren und möglichst nicht alleine hingehen
Quellen: MDR, TAG24, BR24, Mitteldeutsche Zeitung, n-tv, ADAC







