Gefaelschte Inserate erkennen
Ratgeber

Gebrauchtwagen-Betrug: So erkennt man falsche Inserate

15.8.2026, Foto: rupixen/Unsplash

Ein günstiger Gebrauchtwagen, überzeugende Fotos und ein Verkäufer, der freundlich auf alle Fragen antwortet: Gefälschte Auto-Inserate sind nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen. Doch das eigentliche Ziel der Betrüger ist meist eine Vorauszahlung. Ist das Geld überwiesen, bricht der Kontakt ab und das angebotene Fahrzeug taucht nie auf.

Der ADAC warnt deshalb ausdrücklich vor Vorauszahlungen beim Autokauf. Online-Fahrzeugbörsen vermitteln in erster Linie den Kontakt zwischen Käufer und Verkäufer. Die Identität und Seriosität der Anbieter sowie die eingestellten Fahrzeuge würden dabei in der Regel nicht vollständig überprüft. Nach Empfehlung der ADAC-Juristen sollte das Geld möglichst erst im persönlichen Kontakt und gegen die Übergabe des Fahrzeugs sowie der Zulassungspapiere den Besitzer wechseln.

Der verdächtig günstige Gebrauchtwagen

Ein auffällig niedriger Preis ist ein deutliches Warnzeichen. Das bedeutet aber noch nicht, dass jedes günstige Angebot automatisch gefälscht ist. Liegt der Preis jedoch erheblich unter vergleichbaren Fahrzeugen mit ähnlichem Alter, Kilometerstand und vergleichbarer Ausstattung, sollten Interessenten besonders genau hinschauen.

Betrüger setzen darauf, dass Käufer bei einem vermeintlichen Schnäppchen schnell reagieren. Oft entsteht der Eindruck, dass bereits zahlreiche weitere Interessenten warten. Die Aussicht auf ein besonders günstiges Auto soll dazu verleiten, übliche Vorsichtsmaßnahmen zu überspringen.

Vor einer Kontaktaufnahme empfiehlt sich deshalb ein kurzer Preisvergleich. Vergleichbare Fahrzeuge auf mehreren Plattformen zeigen, ob das Angebot zumindest grob zum aktuellen Markt passt. Ein ungewöhnlich niedriger Preis ist kein Beweis für Betrug, aber ein guter Grund für weitere Nachfragen.

Keine Anzahlung vor der Besichtigung

Besonders vorsichtig sollten Käufer werden, wenn der Verkäufer bereits vor einer Besichtigung Geld verlangt. Die Forderung kann als Reservierungsgebühr, Transportkosten, Sicherheitsleistung oder Anzahlung bezeichnet werden. Am Ende läuft die Masche jedoch darauf hinaus, dass der Interessent Geld überweisen soll, obwohl er weder das Fahrzeug noch die Originalpapiere gesehen hat.

Der ADAC rät dazu, beim Autokauf keine Vorauszahlungen zu leisten. Vorsicht sei auch bei angeblich sicheren Treuhandkonten geboten. Fahrzeug, Schlüssel und Zulassungsdokumente sollten möglichst persönlich übergeben werden.

Auch ein professionell gestaltetes Schreiben oder eine überzeugend wirkende Zahlungsaufforderung macht eine Vorauszahlung nicht sicher. Käufer sollten sich nicht unter Druck setzen lassen. Verweigert der Anbieter eine persönliche Besichtigung oder besteht weiterhin auf einer Zahlung vorab, sollte der Kauf abgebrochen werden.

Kommunikation soll auf einen Messenger wechseln

Ein weiteres Warnzeichen kann der schnelle Wechsel von der Fahrzeugplattform zu E-Mail, SMS oder einem Messenger sein. Nach Angaben von mobile.de versuchen Betrüger damit unter anderem, die Kommunikationsplattform und dort eingesetzte Maßnahmen zur Betrugsprävention zu umgehen. mobile.de empfiehlt deshalb, die Kommunikation möglichst über das Nachrichtensystem der Plattform zu führen.

Besondere Vorsicht ist bei Nachrichten angebracht, in denen zur Bestätigung eines Inserats oder zur Übermittlung weiterer Daten über einen externen Link aufgefordert wird. Laut mobile.de können solche Nachrichten dazu dienen, Nutzer aus dem geschützten Kommunikationsbereich der Plattform herauszulocken.

Allein der Wunsch nach einem Telefonat oder einer Kommunikation per E-Mail beweist allerdings noch keinen Betrugsversuch. Problematisch wird es vor allem dann, wenn weitere Auffälligkeiten hinzukommen, etwa Zeitdruck, widersprüchliche Angaben oder die Forderung nach einer Vorauszahlung.

Verkäufer und Fahrzeug überprüfen

Vor dem Kauf sollten Interessenten prüfen, ob die Angaben im Inserat zusammenpassen. Dazu gehören unter anderem Modell, Erstzulassung, Kilometerstand, Motorisierung, Ausstattung und Standort des Fahrzeugs. Widersprüche in der Beschreibung oder ausweichende Antworten auf konkrete Nachfragen sind ein Warnsignal.

Hilfreich ist außerdem eine Suche nach einzelnen Fahrzeugbildern über eine Bilder-Suchmaschine. Tauchen dieselben Aufnahmen in älteren Anzeigen, bei unterschiedlichen Händlern oder in einem ganz anderen Land auf, könnten die Fotos ohne Zustimmung übernommen worden sein. Auch auffällige Unterschiede zwischen dem beschriebenen Fahrzeug und den Bildern verdienen Aufmerksamkeit.

Bei einem gewerblichen Verkäufer sollten Käufer die Kontaktdaten unabhängig vom Inserat überprüfen. Existiert das Autohaus tatsächlich, sollte die Telefonnummer nicht einfach aus der Anzeige übernommen, sondern über dessen offizielle Internetseite oder einen anderen unabhängigen Eintrag gesucht werden.

Besichtigung und Probefahrt bleiben entscheidend

Ein Gebrauchtwagen sollte grundsätzlich vor dem Kauf besichtigt werden. Dabei können Käufer nicht nur den technischen und optischen Zustand prüfen, sondern auch feststellen, ob das Fahrzeug überhaupt existiert und sich tatsächlich beim Anbieter befindet.

Zu einer sorgfältigen Prüfung gehören zusätzlich die Fahrzeug-Identifizierungsnummer und die Zulassungsdokumente. Die Angaben am Fahrzeug müssen zu den Papieren passen. Auch die Identität des Verkäufers und dessen Berechtigung zum Verkauf sollten nachvollziehbar sein.

Verweigert der Anbieter eine Besichtigung oder erklärt er, das Auto könne ausschließlich per Spedition geliefert werden, ist besondere Vorsicht geboten. Ein seriöser Kauf sollte nicht davon abhängen, dass zunächst Geld überwiesen wird.

Nicht von Zeitdruck treiben lassen

Sätze wie „Es gibt bereits mehrere Interessenten“ oder „Das Fahrzeug wird nur nach einer sofortigen Anzahlung reserviert“ sollen eine schnelle Entscheidung erzwingen. Gerade bei einem ungewöhnlich günstigen Angebot steigt dadurch das Risiko, dass Interessenten auf grundlegende Prüfungen verzichten.

Ein seriöser Verkäufer kann nachvollziehbare Fragen zum Fahrzeug beantworten und ermöglicht grundsätzlich eine Prüfung vor dem Kauf. Bricht der Kontakt ab, sobald der Käufer eine Besichtigung, einen Blick in die Originalpapiere oder eine nachvollziehbare Zahlungsabwicklung verlangt, ist das vermeintliche Schnäppchen den Ärger nicht wert.

Was Betroffene tun können

Wer bereits Geld überwiesen hat und einen Betrug vermutet, sollte sich möglichst schnell an seine Bank wenden. Ob sich eine Zahlung noch stoppen oder zurückholen lässt, hängt vom jeweiligen Fall und dem Stand der Überweisung ab. Gleichzeitig sollten sämtliche Unterlagen gesichert werden. Dazu zählen das Inserat, der Nachrichtenverlauf, E-Mails, Telefonnummern, Kontodaten, Zahlungsbelege und übermittelte Dokumente.

Darüber hinaus kann das verdächtige Inserat beim Betreiber der Fahrzeugbörse gemeldet werden. Betroffene können außerdem Anzeige bei der Polizei erstatten. Wichtig ist, das Inserat nicht nur als Link zu speichern, da es später gelöscht oder verändert werden könnte. Screenshots und heruntergeladene Nachrichten können die Dokumentation ergänzen.

Unsere Einschätzung

Beim vermeintlichen Traumangebot gilt eine einfache Regel: Erst das Auto und die Unterlagen prüfen, dann bezahlen. Ein guter Preis allein muss noch nichts bedeuten. Kommen aber Zeitdruck, eine verweigerte Besichtigung und die Forderung nach einer Anzahlung zusammen, sollte man lieber Abstand nehmen.

Natürlich kann auch ein ehrlicher Verkäufer sein Auto schnell verkaufen wollen. Eine Vorabüberweisung für ein Fahrzeug, das man noch nie gesehen hat, bleibt trotzdem ein unnötiges Risiko. Das nächste passende Angebot kommt bestimmt. Ein einmal überwiesener vier- oder fünfstelliger Betrag lässt sich dagegen kaum noch zurückholen.

Quellen: ADAC, mobile.de

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