ZF: Hunderte Millionen Zinsen blockieren E-Auto-Entwicklung
3.8.2026, Bild: Pixabay
Der Autozulieferer ZF macht wieder Gewinn. Doch die Schuldenlast von 9,8 Milliarden Euro kostet das Unternehmen Hunderte Millionen Euro an Zinsen – Geld, das für die Entwicklung von E-Antrieben fehlt.
Der Autozulieferer ZF steckt in einem Dilemma: Das Unternehmen aus Friedrichshafen ist im ersten Halbjahr 2026 wieder profitabel – doch die Rückkehr in die schwarzen Zahlen wird von einer enormen Schuldenlast überschattet. 9,8 Milliarden Euro Verbindlichkeiten kosten ZF jährlich Hunderte Millionen an Zinsen. Allein im ersten Halbjahr 2026 flossen 302 Millionen Euro ab. Geld, das für die Entwicklung von Elektroantrieben, autonomer Fahrzeugtechnik und anderen Zukunftstechnologien dringend gebraucht würde. Für Autokäufer bedeutet das: Der zweitgrößte deutsche Zulieferer ist zurück auf Kurs, hat aber weniger Spielraum für Innovationen.
Im ersten Halbjahr 2026 erzielte ZF einen Nettogewinn von 122 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor hatte das Unternehmen im selben Zeitraum noch 195 Millionen Euro Verlust gemacht. ZF-Chef Mathias Miedreich, der im Oktober 2025 die Führung übernahm, führt die Trendwende auf Kostendisziplin und den Fokus auf profitable Produkte zurück. „Der Weg bleibt anspruchsvoll, doch jeder Schritt baut Altlasten ab und erweitert unseren Handlungsspielraum“, wird er zitiert. In den beiden Jahren zuvor hatte ZF massive Verluste eingefahren: 2025 waren es 2,1 Milliarden Euro, 2024 über eine Milliarde Euro.
Schulden aus Übernahmen lasten schwer
Die Kredite stammen hauptsächlich aus den Übernahmen des Bremsenherstellers Wabco und des Zulieferers TRW. Zwar konnte ZF seine Schulden im Halbjahresvergleich um rund 700 Millionen Euro senken – von 10,5 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2025 auf 9,8 Milliarden im ersten Halbjahr 2026 – doch die Last bleibt enorm. Miedreich macht den Schuldenabbau zur Priorität. Das Problem: Solange ein großer Teil der Mittel für Zinsen abfließt, fehlen Ressourcen für neue Produkte. Das trifft die Branche in einer kritischen Phase: Dem Übergang zur Elektromobilität. ZF stellt Getriebe, Lenksysteme, Antriebe, Bremsen und Sicherheitstechnik her. In all diesen Bereichen müssen Produkte für E-Autos entwickelt werden.
Verschärft wird die Lage durch schwache Verkäufe. Der Umsatz sank im ersten Halbjahr 2026 um zwei Prozent auf 19,3 Milliarden Euro. Besonders in Europa gingen die Erlöse um drei Prozent zurück, in China um zwei Prozent. Nur in Nordamerika konnte ZF zulegen. Weniger Fahrzeugproduktion bedeutet weniger Aufträge von Autoherstellern und noch weniger Geld für Innovationen.
Airbag-Sparte bleibt im Konzern
Um Schulden schneller abzubauen, hatte ZF geplant, seine Airbag- und Sicherheitsgurt-Sparte ZF Lifetec zu verkaufen. Die Tochter war 2022 ausgegliedert worden. Doch das Management hat den Verkauf nun gestoppt. „Wir haben nun entschieden, dass ZF Lifetec bis auf Weiteres vollständig im Besitz von ZF verbleiben wird“, so Finanzchef Michael Frick. Begründung: Das Geschäft sei profitabel und habe Wachstumspotenzial.
Parallel dazu setzt ZF den Stellenabbau fort. Bis Ende 2028 sollen in Deutschland bis zu 14.000 Arbeitsplätze wegfallen – etwa ein Viertel der Belegschaft. Zum 30. Juni 2026 beschäftigte der Konzern weltweit knapp 150.000 Menschen, rund 3.500 weniger als Ende 2025. In Deutschland sank die Zahl um über vier Prozent auf etwas über 47.000.
Ausblick verhalten optimistisch
Für das Gesamtjahr 2026 zeigt sich ZF dennoch optimistisch. Finanzchef Frick erwartet, dass das Jahr mit einem Gewinn abschließen wird. Die Umsatzprognose liegt bei über 38 Milliarden Euro. Ob das reicht, um mehr in die Zukunft zu investieren, hängt davon ab, wie schnell ZF die Schuldenlast weiter senken kann. Der finanzielle Spielraum für Innovationen bleibt vorerst eng.
Quellen: Handelsblatt, WZ, Wiwo, Freiepresse







