Ford Focus MK4 im Fahrbericht: Der letzte seiner Art
29.12.2025, Bilder: © Gebrauchtwagenberater.de
Die vierte Generation des Ford Focus war sieben Jahre auf dem Markt, vor kurzem wurde die Modellreihe endgültig eingestellt. 2022 ließ der Kompaktler ein Facelift über sich ergehen, das neben der neu gestalteten Front auch ein Update für das “Sync”-Infotainmentsystem mitbrachte. Wie gut sich der MK4 geschlagen hat, klären wir im Fahrbericht.

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Der letzte seiner Art
Als Ford vor zwei Jahren das Produktionsende für den Focus verkündete, blieb der Aufschrei in den Medien weitestgehend aus. Man hat sich an solche Meldungen einfach gewöhnt: Dem kleinen Fiesta wurde bereits das Handwerk gelegt, zudem haben auch andere Hersteller ihre Einstiegsmodelle abgesägt. Im SUV-Segment wird das Geld nunmal dringender gebraucht.
Ein Grund mehr also, sich den letzten Kompaktwagen aus dem Hause Ford genauer anzuschauen. Mit einer Länge von 4,56 Metern und einem Radstand von 2,62 Metern ist der Kompakte etwa gleichauf mit der Konkurrenz von VW, Seat und Co. In der Kombi-Variante “Turnier” misst der Radstand sogar 2,7 Meter – vor zwanzig Jahren war das Standard in der Mittelklasse. Mit dem Facelift wurde dem Focus eine neue Front spendiert: So sind die Lampen etwas schmaler geworden, zudem wanderte das Logo in den Kühlergrill.


Als wir den Ford bekommen haben, waren knapp 1.000 Kilometer abgespult. Ein echter Gebrauchtwagen war er also nicht, oder jedenfalls keiner, wie man ihn sich vielleicht vorstellt – aber sei’s drum. Gebraucht wurde das Fahrzeug ja, und zwar ungefähr ein halbes Jahr lang. Für eine Einschätzung reicht es allemal.
Die Ausstattung
Die Ausstattungslinie schimpfte sich “Cool & Connect”. Mit an Bord waren einige Helfer, zum Beispiel ein Spurhalteassistent. Dann wären da noch die Rückfahrkamera und Goodies für den Winter, etwa die Lenkradheizung und eine beheizte Frontscheibe. Außerdem waren gute LED-Scheinwerfer dabei.
Kaum zu gebrauchen war unserer Meinung nach die Verkehrszeichenerkennung, die entweder falsche Geschwindigkeitsbegrenzungen zeigte oder Schilder nicht erkannte. Der Fernlichtassistent hat häufiger den Gegenverkehr geblendet, weil er zu spät ausging. Als kleines Dankeschön gab es vom Geschädigten die Lichthupe.
Immerhin funktionierte das Infotainmentsystem weitestgehend fehlerfrei. Trotz einiger Ruckler hat es keine Abstürze gegeben – zum Marktstart des Ford Focus MK4 hat das noch ganz anders ausgesehen.
Motor und Getriebe
Unser Ford hatte ein Sechsgang-Schaltgetriebe. Unter der Haube steckte ein preisgekrönter Dreizylinder mit 101 PS. Das schreit nach Langeweile, ist in der Praxis aber lebendiger als auf Papier.

Der Motor klang kernig und nicht angestrengt, drehte gerne hoch, hing immer gut am Gas. Vor allem im niedrigen Drehzahlbereich packte der Motor kräftig zu und sorgte für souveränes Vorankommen. Gleichzeitig war er im Stadtverkehr zurückhaltend und an der Ampel kaum zu hören. In Kombination mit der präzisen Schaltung hat der Kölner wirklich Laune bereitet. Die zwölf Sekunden bis Landstraßentempo haben sich kürzer angefühlt.
Auf der Autobahn hat der Antrieb Licht und Schatten geworfen. Die Beschleunigung bis Tempo 120 ging in Ordnung und reichte für zügige Spurwechsel oder zum Einfädeln. Darüber hinaus wurde es merklich zäher, hier machte sich der kleine Hubraum dann doch irgendwann bemerkbar. Zum entspannten Mitschwimmen hat es aber gereicht. Windgeräusche waren ab Tempo 100 wahrnehmbar, aber nicht störend. Merklich lauter wurde es ab 140.
Der Verbrauch
Der Verbrauch konnte sich sehen lassen. Nach rund 6.000 Kilometern hat er sich bei 5,5 Liter eingependelt (Spritmonitor zeigt einen Durchschnitt von etwa 6,5). Das Fahrprofil: Hamburger Berufsverkehr, circa zwanzig Kilometer Strecke in eine Richtung. Auf der Autobahn waren es etwa sechs bis sieben Liter bei Tempo 130. Mit Gasfuß kommen ein bis zwei Liter obendrauf. Insgesamt hat sich der Wagen sparsam bewegen lassen.
Das Fahrwerk
Die Fahrwerksabstimmung war komfortabel. Kleinere Unebenheiten wurden weggebügelt, größere drangen hingegen durch. Das lag nicht zuletzt auch an den, für unser Empfinden, schlecht gepolsterten Sitzen. Lange Autobahn-Etappen waren aber trotzdem machbar.
Das Platzangebot
Der Kofferraum war ausreichend. Für den Einkauf oder einen Kurzurlaub bot er zwei Erwachsenen ausreichend Platz, ohne dass man groß puzzeln musste. Wenn regelmäßig mehr Personen oder zusätzliches Gepäck ins Spiel kommen, liegt der Griff zum Kombi nahe.

Das Platzangebot vorne war gut, der Innenraum wirkte angenehm luftig und nicht beengt. Dazu kamen zahlreiche Ablagemöglichkeiten. Im Fond ging es erwartungsgemäß enger zu, außerdem gab es keine Lüftungsdüsen. Das war nicht weiter tragisch, allerdings blieb die Frage im Raum, warum Ford hier den Rotstift angesetzt hat – im Golf gibt es sie ja.
Unser Fazit
Im Alltag hat der Dreizylinder mit genügend Durchzug und einem niedrigen Verbrauch gepunktet. Beim Infotainment, Platzangebot und Komfort lieferte der Focus solide Kost ohne große Schwächen, auch wenn Konkurrenten wie der VW Golf im Detail etwas mehr Feinschliff bieten.
Als junger Gebrauchter ist der Kölner eine preiswerte Option. Exemplare mit Basisausstattung, wenig Leistung und Schaltgetriebe starten bereits knapp oberhalb der 10.000-Euro-Marke. Deutlich öfter vertreten sind jedoch besser ausgestattete Fahrzeuge in den Ausstattungslinien “ST-Line” oder “Titanium” mit zusätzlichen Assistenzsystemen und Extras, die meist zwischen 15.000 und 19.000 Euro liegen. Selbst Facelift-Modelle sind inzwischen für relativ wenig Geld zu haben: Mit der Konfiguration, wie uns der Wagen damals zur Verfügung gestellt wurde (Erstzulassung 2022, Ausstattung “Cool & Connect”, Handschalter, 101 PS), gibt es den MK4 schon für etwas mehr als 14.000 Euro.
Positives
| • Spritziger Dreizylinder • Sehr gutes Schaltgetriebe • Komfortables Fahrwerk • Guter Verbrauch |
Negatives
| • Unzuverlässige Verkehrszeichenerkennung • Etwas unbequeme Sitze • Keine Lüftungsdüsen im Fond |





