Keyless-Diebstahl: So sicher sind moderne Gebrauchtwagen
21.8.2026, Foto: Chris Kursikowski/Unsplash
Das Auto öffnet sich automatisch, der Schlüssel bleibt in der Tasche und der Motor startet auf Knopfdruck: Keyless-Systeme sind bequem und inzwischen in vielen Fahrzeugen serienmäßig verbaut. Doch der Komfort kann zum Sicherheitsrisiko werden. Manche Autos lassen sich mit einem verlängerten Funksignal öffnen und starten, ohne dass die Täter den Schlüssel besitzen.
Der ADAC untersucht seit zehn Jahren, wie gut Fahrzeuge mit Keyless-Systemen gegen diese Angriffsmethode geschützt sind. Mittlerweile umfasst die Testdatenbank 850 Fahrzeuge verschiedener Hersteller. Nach Angaben des Automobilclubs sind inzwischen rund 70 Prozent der getesteten Autos besser gegen Diebstahl geschützt. Bei etwa 30 Prozent sieht der ADAC dagegen weiterhin Verbesserungsbedarf.
Wie funktioniert der Keyless-Diebstahl?
Ein Fahrzeug mit Keyless-System erkennt den Funkschlüssel, sobald sich dieser in der Nähe befindet. Die Türen werden entriegelt, ohne dass der Fahrer eine Taste drücken muss. Auch der Motor lässt sich gewöhnlich starten, während der Schlüssel in der Tasche bleibt.
Diese Kommunikation können Kriminelle bei unzureichend geschützten Systemen ausnutzen. Dafür hält sich eine Person mit einem Gerät in der Nähe des Autoschlüssels auf, während eine zweite Person mit einem weiteren Gerät am Fahrzeug steht. Auf diese Weise wird das Funksignal über eine größere Entfernung weitergegeben. Laut ADAC kann die Reichweite dabei um Hunderte Meter verlängert werden. Das Auto nimmt dadurch an, der Schlüssel befinde sich unmittelbar in der Nähe, und lässt sich öffnen und starten. Die Fahrzeugdaten müssen dafür weder entschlüsselt noch gehackt werden.
Die Sicherheitslücke besteht auch dann, wenn der Schlüssel im Haus liegt. Wurde der Motor einmal gestartet, kann das Fahrzeug nach Angaben des ADAC in der Regel so lange weiterfahren, bis der Kraftstofftank oder die Antriebsbatterie leer ist.
Nicht jedes Keyless-System ist gleich unsicher
Die Ergebnisse zeigen gleichzeitig, dass Keyless nicht grundsätzlich unsicher sein muss. Entscheidend ist die eingesetzte Technik. Einen besseren Schutz gegen die vom ADAC untersuchte Funkverlängerung bietet die sogenannte Ultra-Wide-Band-Technik, kurz UWB.
UWB-Chips messen anhand der Laufzeit des Funksignals, wie weit der Schlüssel tatsächlich vom Fahrzeug entfernt ist. Wird das Signal mit einem Funkverlängerer weitergeleitet, erkennt das System, dass sich der Schlüssel nicht unmittelbar am Auto befindet. Das Fahrzeug reagiert dann nicht auf den Öffnungs- oder Startversuch. Die vom ADAC verwendeten Funkverlängerer konnten entsprechend geschützte Fahrzeuge nicht illegal öffnen und starten.
Jaguar Land Rover brachte laut ADAC 2018 als erster Hersteller entsprechend geschützte Modelle auf den Markt. Seit 2019 kommt UWB zunehmend auch bei Fahrzeugen anderer Marken zum Einsatz, darunter Audi, BMW, Mercedes-Benz und mehrere Hersteller aus dem Volkswagen-Konzern.
Das bedeutet allerdings nicht, dass automatisch jedes Modell und jedes Baujahr dieser Marken über UWB verfügt. Der ADAC spricht ausdrücklich von einzelnen Modellen mit verbessertem Schutz. Gebrauchtwagenkäufer sollten deshalb das konkrete Modell in der Ergebnisliste prüfen und nicht allein von der Marke auf die Sicherheit des Keyless-Systems schließen.
Diese Modelle boten schon früh einen besseren Schutz
Bei Jaguar Land Rover nennt der ADAC unter anderem den Discovery sowie den Range Rover und Range Rover Sport ab Modelljahr 2018. Nach Herstellerangaben sei die gleiche Technik auch im Jaguar E-Pace und I-Pace verbaut worden.
Beim Volkswagen-Konzern folgten 2019 unter anderem Audi A3, Seat Leon, Skoda Octavia und VW Golf 8. Inzwischen führt der ADAC weitere besser geschützte Modelle auf, darunter Audi Q4 e-tron, Cupra Born und Formentor, Skoda Enyaq sowie verschiedene ID-Modelle von Volkswagen.
Für die Kaufentscheidung ist dennoch die genaue Ausführung entscheidend. Modellwechsel, Produktionszeitraum und Ausstattung können eine Rolle spielen. Ein Kaufinteressent sollte deshalb nicht lediglich fragen, ob das Fahrzeug „Keyless“ besitzt, sondern welche Technik konkret verwendet wird.
Bewegungssensor ist keine gleichwertige Lösung
Einige Hersteller verbauen einen Bewegungssensor im Schlüssel. Bleibt dieser für eine bestimmte Zeit unbewegt liegen, wird das Funksignal abgeschaltet. Anschließend lässt sich das Fahrzeug nicht mehr mit einem verlängerten Signal öffnen.
Der ADAC bewertet diese Lösung jedoch als nicht ideal. Bis zur automatischen Abschaltung bleibt ein Angriff weiterhin möglich. Im Gegensatz dazu prüft UWB direkt die tatsächliche Entfernung zwischen Fahrzeug und Schlüssel.
Für Gebrauchtwagenkäufer ist dieser Unterschied relevant. Eine Aussage wie „Der Schlüssel schaltet sich von selbst ab“ bedeutet nicht automatisch, dass das System das gleiche Schutzniveau wie eine UWB-Lösung erreicht.
So prüfen Käufer das Keyless-System
Vor dem Kauf eines Gebrauchtwagens mit schlüssellosem Zugang empfiehlt sich ein Blick in die ADAC-Ergebnisliste zu Keyless-Systemen. Sie enthält die seit 2016 im ADAC-Autotest überprüften Modelle.
Darüber hinaus können Interessenten beim Hersteller oder Händler konkret nachfragen:
- Arbeitet das Fahrzeug mit UWB?
- Gilt das auch für das betreffende Baujahr und die konkrete Ausstattung?
- Verfügt der Schlüssel lediglich über einen Bewegungssensor?
- Lässt sich die Keyless-Funktion vollständig deaktivieren?
Ob eine Deaktivierung möglich ist, kann laut ADAC auch in der Betriebsanleitung des Fahrzeugs stehen. Wird Keyless abgeschaltet, entfällt allerdings der Komfort des automatischen Öffnens.
So lässt sich ein ungeschütztes Auto besser sichern
Besitzer eines angreifbaren Fahrzeugs sollten zunächst prüfen, ob sich die Keyless-Funktion deaktivieren lässt. Der ADAC empfiehlt außerdem, das Auto über Nacht möglichst in einer verschlossenen Garage abzustellen und den Funkschlüssel innerhalb des Hauses nicht unmittelbar an Außentüren, Fenstern oder Außenwänden aufzubewahren.
Eine Metalldose oder ein abschirmendes Schlüsseletui kann das Funksignal blockieren. Auch Aluminiumfolie kann funktionieren. Entscheidend ist jedoch, dass die Abschirmung tatsächlich vollständig wirkt. Der ADAC empfiehlt deshalb, die verwendete Lösung auszuprobieren. Ob die Abschirmung funktioniert, lässt sich direkt am Fahrzeug ausprobieren. Der Schlüssel sollte dabei vollständig in der Dose oder im Etui liegen und das Auto trotz unmittelbarer Nähe verschlossen bleiben.
Keyless nachrüsten lohnt sich meist nicht
Eine Nachrüstung mit Originalteilen wird von den Fahrzeugherstellern laut ADAC nicht unterstützt. Einzelne freie Anbieter bieten sie zwar für einige Modelle von Audi, Seat, Škoda, Mercedes-Benz und Volkswagen an. Allein die benötigten Teilesätze können jedoch mehr als 1.000 Euro kosten. Hinzu kommt ein aufwendiger Einbau mit neuen Türgriffen, Antennen und zusätzlicher Verkabelung. Das nachgerüstete System ist anschließend genauso sicher oder unsicher wie die entsprechende Werkslösung.
Von besonders günstigen Nachrüstsätzen für ältere Fahrzeuge rät der ADAC ab, wenn für deren Betrieb die Wegfahrsperre deaktiviert werden muss. Dadurch kann nach Angaben des Automobilclubs der Versicherungsschutz verloren gehen.
Unsere Einschätzung
Keyless ist praktisch, aber beim Gebrauchtwagen sollte man genauer hinschauen. Entscheidend ist nicht allein, ob das Auto über einen schlüssellosen Zugang verfügt, sondern welche Technik dahintersteckt. Systeme mit UWB bieten einen besseren Schutz vor den vom ADAC untersuchten Funkverlängerungen. Ein Bewegungssensor im Schlüssel lässt dagegen zumindest für eine gewisse Zeit eine Sicherheitslücke offen.
Vor dem Kauf lohnt sich deshalb ein Blick auf die genaue Modellvariante. Ist das Keyless-System nicht ausreichend geschützt, sollte es sich zumindest deaktivieren lassen. Im Zweifel ist etwas weniger Komfort besser als ein unnötiges Diebstahlrisiko.







